HACKERKULTUR UND RAUBKOPIERER
Eine wissenschaftliche Reise durch zwei Subkulturen

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2. Hacker und Raubkopierer in der Informationsgesellschaft

2.1
2.2

2.3

Informationsgesellschaft
Strukturen der Erstellung und Verbreitung von Raubkopien
Das Bild der Raubkopierer in der Öffentlichkeit

2.2 Strukturen der Erstellung und Verbreitung von Raubkopien

2.2.1
2.2.2

2.2.3

Typen von Raubkopierern
Verbreitungswege der Raupkopien
Erscheinungsformen von Raubkopien

2.2.1 Typen von Raubkopierern

2.2.1.1
2.2.1.2
2.2.1.3

Release-Szene
FXP-Szene
Filesharing-Nutzer

2.2.1.3 Filesharing-Nutzer

Unter Filesharing versteht man allgemein »die gemeinsame Nutzung von Dateien in einem Netzwerk durch Programme, Prozesse oder Anwender«. Im Internet können Nutzer mit Hilfe von so genannten Filesharing-Programmen, auch Tauschbörsen genannt, Dateien wie Software, Filme und Musik zum Download anbieten. »Anbieter hierbei ist der Tauschbörsennutzer, was zur Folge hat, dass Dateien nicht auf einem zentralen Server gespeichert sind, sondern dezentral auf die Benutzer verteilt sind […]«. Je mehr Benutzer also ein bestimmtes Filesharing-Programm verwenden, desto mehr Dateien stehen allen Nutzern zur Verfügung.

Das erste populäre Filesharing-Programm war die MP3-Tauschbörse Napster. Nach ihrem Start im Mai 1999 wuchsen die Nutzerzahlen bald auf 56 Millionen registrierte Benutzer. Nach diversen Klagen des Dachverbands der amerikanischen Musikindustrie musste Napster aber seinen Dienst im Juli 2001 einstellen.

Heute gibt es eine Vielzahl von Filesharing-Programmen. Zu den bekanntesten Tauschbörsen gehören Limewire und BitTorrent. Über sie werden vor allem urheberrechtlich geschützte Dateien ohne Zustimmung der Rechteinhaber verbreitet. Die amerikanische Musikindustrie sprach im Rahmen eines Rechtsstreits davon, dass mehr als 90 Prozent der Nutzer von Internet-Tauschbörsen wissentlich Urheberrechte verletzten. Den Computernutzern bietet sich mit den Tauschbörsen die Möglichkeit, kostengünstig an die verschiedensten digitalen Produkte zu gelangen. »Die meisten Tauschbörsen besitzen keinerlei Inhalts- bzw. Copyright-Kontrollen, sodass […] urheberrechtlich geschützte Inhalte (z.B. Musik, Filme, Bücher, Anwendungen) frei von Lizenzgebühren getauscht werden«. Die Nutzerzahlen der Filesharing-Programme sind als hoch einzuschätzen. Nach Angaben des Marktforschungsdienstes Big Champagne sind durchschnittlich zu jedem Zeitpunkt über 9 Millionen Nutzer in Internet-Tauschbörsen aktiv, wobei die populäre Tauschbörse BitTorrent aus technischen Gründen in dieser Statistik nicht erfasst ist. Der durch BitTorrent verursachte Datenverkehr wird vom britischen Unternehmen CacheLogic auf mehr als ein Drittel des gesamten Internet-Traffics geschätzt.

Trotz der zumeist illegalen Nutzung kann der Betrieb einer Tauschbörse von den Rechteinhabern nur schwer verhindert werden, weil sich lediglich die betreffenden Nutzer einer Verletzung des Urheberrechts schuldig machen, nicht jedoch die Anbieter der Technologie. Zwar entschied der Oberste Gerichtshofs der USA im Juni 2005 nach einem Jahre andauernden Rechtsstreit der US-Unterhaltungsindustrie gegen die Tauschbörsen Grokster und Morpheus, dass die Betreiber von Filesharing-Programmen durchaus für Verstöße gegen das Urheberrecht haftbar gemacht werden können. Das Gericht nannte aber als Voraussetzung für eine erfolgreiche Klage gegen Tauschbörsen-Betreiber, dass die Software explizit für illegale Zwecke entworfen sein müsse. Tauschbörsensoftware wurde also nicht grundsätzlich für illegal erklärt. Vielmehr muss bei jeder einzelnen Klage nun vor Gericht geklärt werden, ob eine Verletzung des Urheberrechts von der Entwicklerfirma geplant war oder nicht.

Doch auch die Schließung einer Tauschbörse kann kaum dafür sorgen, dass die Nutzerzahlen des Filesharings generell sinken. »Bricht eine Tauschbörse zusammen, wechseln die Nutzer einfach zur nächsten. Die vielen aktiven Entwickler im Netz sorgen zudem dafür, dass die Protokolle und Clients ständig verbessert werden«.

Trotz gemeinsamer Interessen und Tätigkeiten der Nutzer von Tauschbörsen existieren keine über alle Nutzer übergreifenden Wertvorstellungen oder generell gemeinsame Verhaltensweisen. Es existierenden auch keine Regeln an die sich eine Mehrheit der Filesharing-Nutzer gebunden fühlt. Eine hierarchisch organisierte Gruppe oder Szene von Filesharern gibt es somit nicht. Vielmehr handelt sich bei den Millionen Filesharern zumeist um reine Konsumenten von Raubkopien, also um so genannte Gelegenheitskopierer. Einen Teil der organisierten Raubkopierer-Szene stellen sie daher nicht dar.

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