| Home > Inhalt | 4. FORMULIERUNG DER THESE | | 4.6 Kommerzialisierung der Software | inhalteEin anderer Hacker hingegen schlug einen für diese Zeit eher
ungewöhnlichen Weg ein. William (Bill) Henry Gates III gründete 1975 zusammen mit Paul Allen das Unternehmen Micro-Soft (heute: Microsoft). Seine Vorstellung war es, als Produkt nicht Hardware, sondern lediglich Software zu verkaufen. Diese Geschäftsidee wurde von fast allen Hackern verspottet. Die Vorstellung, für eine Software Geld zu verlangen, widersprach der Hacker-Ethik. Diese sah schließlich vor, Informationen mit anderen frei zu teilen. Bill Gates verstieß damit gegen alle
Ideale des Homebrew Computer Clubs. Die Meinungen von Wissenschaftlern, Studenten und des Homebrew Computer Clubs ignorierend, entwarf Gates schließlich sein erstes Softwareprodukt: Die Weiterentwicklung der Programmiersprache BASIC für den Altair 8800. Sein Ziel war es, das Produkt so zu generieren, dass es einerseits technische Programmierung möglich machte und andererseits von der Masse akzeptiert wurde.
Mit Hilfe der verständlichen Kommandos von BASIC, war es auch Anwendern
mit weniger technischem Verständnis möglich, einen Computer zu programmieren. In der Computersprache Basic wurden für Laien kryptisch erscheinende Zahlenkommandos durch Wörter der englischen Sprache wie beispielsweise PRINT und SAVE ersetzt.
Bill Gates Idee einer Vermarktung von Software platzte dennoch mitten in die idealistische Welt der Hacker. Schließlich waren sie der Meinung, dass jeder Programmierer sein Wissen durch andere habe und nur ein gemeinsamer und offener Austausch von
Erfahrungen eine Weiterentwicklung gewährleisten könne. Bill Gates wollte jedoch sein Wissen weder mit anderen Hackern teilen, noch sah er ein, dass seine Software von anderen ohne Bezahlung kopiert oder verändert werden konnte. Verärgert schrieb Bill Gates schließlich einen offenen Brief, den so genannten Open Letter an den Homebrew Computer Club. Darin beschuldigte er diejenigen als Diebe, die seine Software ohne Bezahlung benutzten und kopierten. Der Gedanke einer »illegale Kopie«
sorgte für Verwirrung und weitere Antipathie gegen den jungen Bill Gates. | 
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Abb. 5: Bill Gates' Open Letter |
| Der wirtschaftliche Erfolg der Software von Microsoft war jedoch enorm. In den Jahren nach seiner Gründung eroberte Microsoft den Softwaremarkt für Betriebssysteme zunächst mit dem Produkt MS-DOS (Microsoft Disk Operation System), später mit Microsoft Windows.
Umsatz- und Mitarbeiterentwicklung Microsoft Corporation:
Jahr | Angestellte | Umsatz ($ Mio) | 1980 | 40 | 8 | 1985 | 910 | 140 | 1990 | 5.200 | 1.186 | 1995 | 17.800 | 6.075 | 2000 | 39.100 | 22.956 | 2005 | 61.000 | 39.788 |
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Je mehr Marktanteile Microsoft gewann, desto mehr setzte sich die Überzeugung durch, dass Software nicht immer frei sein konnte. Es wurde in den Köpfen vieler Softwarenutzer zu einem kommerziellen Produkt, für das man zu bezahlen hatte. Die Hoffnung von Bill Gates, dass der Computermarkt eines Tages von Software beherrscht werden würde, ging somit in Erfüllung. So sehr sich manche Hacker auch gegen
die Vermarktung von Software und Informationen wehrten, ein Gedanke ist erst durch diesen Open Letter entstanden: Die Idee, dass eine Software als Kopie illegal, also eine Raubkopie, sein konnte. |
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HACKERKULTUR UND RAUBKOPIERER | 
| Vdm Verlag Broschiert, 208 Seiten EUR 79,- ISBN: 3-639025-82-2
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NO COPY Die Welt der digitalen Raubkopie | 
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Das erste umfassende Buch über Raubkopien in Bezug auf die Hacker-Ethik und Hackerkultur Klett-Cotta Verlag Broschiert, 304 Seiten EUR 15,80 ISBN: 3-608500-82-0
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