Raubkopien sind das Produkt einer von der Hackerkultur geprägten Gesellschaft.
Grundlegende Gedanken der Hackerkultur sind, wie in Kapitel 2.2 und 6.3 geschildert, der Wunsch nach einer umfassenden Freiheit von Informationen, ein Misstrauen gegenüber
Autoritäten und die Forderung nach uneingeschränktem Zugang zu Computern und Software.
Die Entstehung des Phänomens Raubkopien geht auf die Hacker der 70er Jahre zurück. Bis Mitte der 70er Jahre war es üblich, dass Software und Programmcodes frei geteilt wurden, erst durch Bill Gates' »Open Letter« entstand die Idee, dass es auch rechtswidrige Kopien von Software geben konnte.
Die Cracker der 80er Jahre übertrugen die Meinung der Hacker, dass Informationen frei sein sollen und
technische Barrieren überwunden werden müssten, auf die damals erstmalig eingesetzten Kopierschutzmethoden. Im Laufe der Zeit fand das Raubkopieren in der Cracker-Szene zwar immer weniger aus Gründen der Informationsfreiheit statt. Die Kreativität und die begeisterte Beschäftigung mit der Computertechnik teilt die Szene aber bis heute mit den Hackern. Zudem werden sowohl bei den Hackern als auch bei den Mitgliedern der organisierten Raubkopierer-Szene, Mitglieder nicht nach äußerem
Erscheinungsbild oder Alter beurteilt, sondern nach ihren Fähigkeiten im Umgang mit dem Computer
So ist die Entstehung von Raubkopien von Beginn an von der Hackerkultur beeinflusst. Zudem ist sowohl die Szene der ersten Cracker als auch die heutige Szene der organisierten Raubkopierer deutlich von den Werten der Hackerkultur geprägt.
Darüber hinaus fanden Raubkopien vor allem mit der steigenden Nutzung des Internets eine immer größere Verbreitung auch unter den gewöhnlichen
Computernutzern. Dies entspricht durchaus dem Wesen der Informationsgesellschaft, für die die Nutzung von Computern, Software und Informationen aller Art ein grundlegendes Merkmal darstellt. Für die Entwicklung der Informationsgesellschaft, die ja selbst maßgeblich von der Hackerkultur geprägt ist, sind Raubkopien somit nicht als grundsätzlich negativ anzusehen. Auch wenn heutige die wenigsten Gelegenheitskopierer Raubkopien von Musik, Filmen oder Software aus Gründen der Informationsfreiheit
erstellen und verbreiten, ist die Hackerkultur in der Geschichte der Entstehung von Raubkopien, in der organisierten Raubkopierer-Szene, und auch im Internet derart präsent, dass Raubkopien als das Produkt einer von der Hackerkultur geprägten Gesellschaft bezeichnet werden können.
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