HACKERKULTUR UND RAUBKOPIERER
Eine wissenschaftliche Reise durch zwei Subkulturen

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8. Zusammenfassende Bewertung der Thesen

8.1
8.2
8.3
8.4

THESE A
THESE B
THESE C
THESE D

8.3 These C

Raubkopierer handeln destruktiv.

Destruktives Handeln würde bedeuten, dass Raubkopierer etwas zerstören anstatt etwas aufzubauen. Betrachtet man die Höhe des Schadens, der laut Berechnungen der Industrie durch Raubkopien entsteht, könnte dies durchaus zutreffen. Raubkopierer würden so durch ihr Handeln für Umsatzverluste bei den Rechteinhabern sorgen, in letzter Konsequenz sogar Arbeitsplätze vernichten. Andere Studien widerlegen dies jedoch, wie in Kapitel 2.4.2 geschildert wird. Sie konnten keinen Einfluss des Raubkopierens auf die Umsätze der Urheber feststellen, unter bestimmten Umständen wurde sogar eine positive Beeinflussung ausgemacht. Raubkopieren kann unter diesem Gesichtspunkt nicht als generell destruktiv eingestuft werden.

Für eine genauere Betrachtung der These muss zwischen den zwei Gruppen von Raubkopierern unterschieden werden: der Szene der organisierten Raubkopierer sowie der Gelegenheitskopierer.

Das Handeln der Mitglieder der organisierten Raubkopierer-Szene kann ebenfalls nicht als grundsätzlich destruktiv bezeichnet werden. Ihre Motivation liegt (vgl. Kapitel 7.1) vielmehr im Wettbewerb untereinander, in der Anerkennung durch die Szene, in dem Wunsch nach der Freiheit von Informationen und im ausgeprägten Gemeinschaftsgefühl. Diese Motivationsfaktoren sind jedoch eher konstruktiv als destruktiv zu nennen. Die Gelegenheitskopierer wiederum handeln aus anderen Gründen (Vgl. Kapitel 7.2). Dabei benutzen die wenigstens Computernutzer Raubkopien, um der Industrie gezielt zu schaden oder sie zu boykottieren. Vielmehr spielen wirtschaftliche Gründe und ein gewisser sozialer Druck eine wichtige Rolle, ergänzt durch ein fehlendes intuitives Verständnis der Rechtslage sowie die Anonymität beim Raubkopieren. Kopiert ein Computernutzer zum Beispiel eine Musik-CD, weil er sich das Original nicht leisten könnte oder weil er einem Bekannten einen Gefallen tun möchte, ist kann das Raubkopieren in gewisser Hinsicht sogar als konstruktiv bezeichnet werden im Sinne von »förderlich« für die Benutzung und Verbreitung eines allgemein zugänglichen Gutes. Auch hier ist also kein generell destruktives Handeln zu erkennen.

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