HACKERKULTUR UND RAUBKOPIERER
Eine wissenschaftliche Reise durch zwei Subkulturen

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2. Hacker und Raubkopierer in der Informationsgesellschaft

2.1
2.2

2.3

Informationsgesellschaft
Strukturen der Erstellung und Verbreitung von Raubkopien
Das Bild der Raubkopierer in der Öffentlichkeit

2.2 Strukturen der Erstellung und Verbreitung von Raubkopien

2.2.1
2.2.2

2.2.3

Typen von Raubkopierern
Verbreitungswege der Raupkopien
Erscheinungsformen von Raubkopien

2.2.2 Verbreitungswege der Raubkopien

Obwohl einer Studie des Kopierschutz-Herstellers Macrovision zufolge über die Hälfte aller Computerspieler regelmäßig Raubkopien nutzt, wissen nicht alle von ihnen auch um den Ursprung dieser Kopien. Da die meisten Raubkopien in den Internet-Tauschbörsen heruntergeladen werden, wird fälschlicherweise oft davon ausgegangen, dass die Kopien auch dort erstmalig in Umlauf gebracht wurden. Auch die Unterhaltungsindustrie ist sich des wahren Verbreitungsweges einer Raubkopie häufig nicht bewusst. Als der Film »Star Wars: Episode III – Revenge of the Sith« im Mai 2005 als Raubkopie in Umlauf war, erklärte der Präsident der amerikanischen Filmgesellschaft MPAA, Dan Glickman, in einer Presseerklärung: »There is no better example of how theft dims the magic of the movies for everyone than this report today regarding BitTorrent providing users with illegal copies of Revenge of the Sith«. Der Film war jedoch nicht über das Filesharing-Programm BitTorrent, sondern von der Release Group ViSA über szeneinterne Kanäle verbreitet worden.



Rajagopal und Bojin stellt den illegal Distributionsweg der organisierten Raubkopierer in einer »Internet Chain of Pirate Distribution« folgendermaßen dar:

Internet_Chain_of_Pirate_Distribution

Abb. 2: Internet Chain of Pirate Distribution nach Rajagopal und Bojin

Hier wird der Verbreitungsweg von Raubkopien in drei Stufen (Echelons) unterteilt. In die erste Stufe wird die Szene der Release Groups eingeordnet. Die Filesharing-Szene sehen Rajagopal und Bojin im untersten Rang der Raubkopienverbreitung. So findet die Erstverbreitung bzw. Erstellung der Raubkopien in der Release-Szene statt, bis zuletzt auch die Tauschbörsen-Nutzer an veröffentlichte Raubkopien gelangen. Rajagopal und Bojin gehen in ihrer Studie jedoch nicht auf die FXP-Szene ein.

Eine weitere Klassifizierung der Szene findet sich bei der GVU, die gegen Raubkopierer ermittelt und auch dank einiger Undercover-Ermittlungen die Strukturen der Verbreitung von Raubkopien kennt.

Verbreitungspyramide

Abb. 3: Verbreitungspyramide nach GVU

Hierbei nennt GVU ebenso wie Rajagopal und Bojin die Release-Szene als Verantwortlichen für die Erstverbreitung. Wie in der Verbreitungspyramide der GVU zu erkennen, wird hier auch Bezug auf den kommerziellen Bereich der Raubkopierer genommen, in dem kommerzielle Portale und Flohmärkte als Umschlagplätze dienen. Von Bedeutung für diese Arbeit ist jedoch vielmehr die Einordnung der FXP-Szene im mittleren Bereich der Raubkopienverbreitung. Der Großteil der digitalen Raubkopien entsteht somit in der Release-Szene. Sie durchlaufen dann die FXP-Szene und sind erst am Ende dieses Verbreitungsweges sie auch in den Internet-Tauschbörsen zu finden (wie des auch Rajagopal und Bojin feststellten). Insofern lassen sich beide Studien zu einer Verbreitungsgrafik zusammenfassen, in der profitorientierte Raubkopierer außer Acht gelassen werden. Der Verbreitungsweg der Raubkopien lässt sich so in Form einer Pyramide darstellen, an deren Spitze die Raubkopien entspringen, immer weiter vervielfältigt werden und mit der Zeit von immer mehr Menschen aus dem Internet heruntergeladen werden können.

Verbreitungspyramide

Abb. 4: Die Verbreitungspyramide

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